Erstmalig wurde vom Naturschutzring Ehringshausen (NRE) ein Streuobstwiesennachmittag angeboten, der großen Anklang fand. Ungefähr 40 Personen waren beteiligt. Die Veranstaltung war besonders auf Familien ausgerichtet. Mitveranstalter waren der Verein Region Naturpark Lahn-Dill-Bergland e.V. mit Sitz in Bad Endbach, die Vogel- und Naturschutzfreunde Kölschhausen e.V. und die Vogel- und Naturschutzgruppe Breitenbach e.V. Das Treffen war gleichzeitig die 3. Veranstaltung der Wiesel (Kinder- und Jugendgruppe des NRE) in diesem Jahr.
Die Teilnehmer trafen sich am Sonntag, den 19. April zunächst im schönen Friedrich-Winter-Gemeindehaus in Kölschhausen. Nach den Begrüßungen durch Meika Lübbeke vom Naturpark (Projektkoordination Naturschutz und Landschaftspflege) sowie Thomas Zeidl (Vorsitzender des NRE) waren alle eingeladen das aufgebaute Kuchenbüfett zu genießen (einige Eltern und Betreuer hatten die Kuchen beigesteuert). Mit Kaffee, Kakao und Apfelsaft von einer regionalen Streuobstwiese zu den Kuchen war der Grundstein für eine erfolgreiche Veranstaltung gelegt.
Im Anschluss an das Kaffeetrinken wurde zunächst ein Einstimmungsvideo zu einer speziellen Streuobstwiese in Breitenbach gezeigt, dass die Wieseljungs Jost von der Heyde, Etienne Zimmermann und Mats Krämer zusammen mit Erwin Rau aus Breitenbach, Einwohner des Dorfes und ebenfalls NRE-Mitglied, vor ein paar Wochen vor Ort gedreht hatten. Danach präsentierte der Ehrenvorsitzende des NRE Helmut Weller eine etwa halbstündige Bilderschau zu dem in der Breitenbacher Bevölkerung liebevoll „Waldeslust“ genannten Gemarkungsgebiet mit der Obstbaumwiese der Familie Weller. Der Titel der Präsentation lautet „Waldeslust – Streuobstwiese und mehr“. Auf zwei Hanggrundstücken, am Waldrand Richtung Bechlingen gelegen, beobachtet und fotografiert Helmut Weller die Entwicklung seit vielen Jahren. Aufgrund der regelmäßigen Arbeiten, vor allem der jährlichen Mahd mit anschließendem Abräumen des Mähgutes (Vorgang heute in mehreren Etappen), hat sich ein außergewöhnlicher Anstieg der dort lebenden Tiere, Pflanzen und Pilze ergeben, was im Vortrag in Bild und Wort gezeigt bzw. erläutert werden konnte. Zu mehr Biodiversität beigetragen haben auch sogenannte Sonderbiotope wie Lesesteinhaufen, Reisig- und Altgrashaufen, große Insektenhilfs-wand, Sandarium, kleine Sandgruben, Käferkeller, Hirschkäferburg. Ein umfangreiches Nistkastenangebot steht ebenfalls zur Verfügung, das gelegentlich außer von Vögeln auch von Säugetieren wie Siebenschläfer und Fledermäusen genutzt wird. Leider sind in den letzten Jahren massiv Waschbären aufgetreten, die ein wenig Schatten über die Erfolge legen. Als besonders positiv zu bewerten sind erfolgreiche Bruten von Wendehals und Gartenrotschwanz. Aus dem Pflanzenreich ist ein kleines Vorkommen der Waldhyazinthe am Grundstücksrand zu sehen. Rote und gelbe Saftlinge sind bezüglich recht seltener Pilze zu erwähnen. Schmetterlinge gibt es in manchen Jahren reichlich.
Alles in allem kommt zusammenfassend zum Ausdruck, dass sich körperliche Arbeit zur naturgemäßen Pflege solcher Grundstücke unbedingt lohnt. Weller hatte auch zahlreiche Bilder mit Kindern in seinen Vortrag eingebaut, um zu zeigen, dass diese auch so einiges auf der Streuobstwiese erleben können.
Dies wurde dann auch bei der Ortsbesichtigung des Gebiets deutlich. Die Kinder, auch die Erwachsenen hatten allerhand zu entdecken. Highlight waren sicher die zahlreichen Zauneidechsen in den Lesesteinhaufen, die sich teils sogar von den Kindern berühren ließen. Meika Lübbeke hatte Naturspiele und andere Aktivitäten vorbereitet, die von den Kindern gerne genutzt wurden. Von den Kindern auch ausprobiert wurde ein Spezialfahrrad aus dem Fahrradleihprogramm der Gemeinde Ehringshausen, das Horst Zeidl von der AG Mobilität Ehringshausen mitgebracht hatte.
Nach etwa zwei Stunden Aufenthalt auf der Streuobstwiese ging eine sehr schöne Veranstaltung zu Ende. Diese ist auch im Kontext des NRE-Projektes „Mehr tun für die Streuobstwiesen“ zu sehen, das der NRE in diesem Jahr gestartet hat, und das in den nächsten Jahren fortgeführt werden soll, auch mit Unterstützung des naturfotografischen Engagements von Helmut Weller, im Sinne einer gezielten und hoffentlich erfolgreichen Öffentlichkeitsarbeit.



